Windkraft ausbauen statt ausbremsen: Die Länder stellen sich gegen Reiches Energiewende-Bremse

Bei der Energieminister*innenkonferenz auf Norderney haben die Bundesländer ein klares Signal nach Berlin gesendet: Die Energiewende darf nicht ausgebremst werden. Besonders deutlich wird das beim Thema Windenergie an Land. Die Länder bezeichnen Windkraft ausdrücklich als „zentralen Hebel“ für Versorgungssicherheit und Preisstabilität – weil sie zu den kostengünstigsten und am schnellsten ausbaubaren erneuerbaren Stromerzeugungstechnologien gehört.

Damit stellen sich die Länder gegen zentrale Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Ihr sogenanntes Netzpaket soll zwar Netzausbau und Erneuerbare besser synchronisieren. Tatsächlich droht es aber, neue Wind- und Solaranlagen in überlasteten Netzgebieten wirtschaftlich unplanbar zu machen: Wenn Anlagen wegen Netzengpässen abgeregelt werden, sollen Betreibende künftig keine verlässliche Entschädigung mehr erhalten. Genau dieses Instrument zum Netzengpassmanagement lehnen die Länder ab und verlangen investitionssichere Rahmenbedingungen für Erneuerbare, Speicher und neue elektrische Verbraucher.

Für uns im Zollernalbkreis ist das keine abstrakte Berliner Debatte. Der Kreisverband Zollernalb von Bündnis 90/Die Grünen bekennt sich klar zu einem naturverträglichen, zügigen und sozial gerechten Ausbau der Windenergie vor Ort. Windkraft ist für uns ein entscheidender Baustein für Klimaschutz, Versorgungssicherheit, regionale Wertschöpfung und mehr Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und globalen Rohstoffmärkten. Dabei geht es nicht um ungeordneten Ausbau, sondern um geeignete Standorte, klare ökologische Kriterien, transparente Verfahren, Bürgerbeteiligung und kommunale Teilhabe.

Im Zollernalbkreis gibt es bereits konkrete Windenergieprojekte in unterschiedlichen Planungsstadien. In Starzach planen die Stadtwerke Tübingen einen Windpark mit sechs Anlagen; der Genehmigungsantrag wurde 2025 eingereicht, ein Baubeginn könnte 2027/2028 erfolgen. In Balingen-Ostdorf sind Flächenpooling und die Auswahl eines Projektpartners abgeschlossen. In Burladingen sind gemeinsam mit der EnBW insgesamt zehn Anlagen geplant, die Strom für rund 40.000 Haushalte erzeugen könnten. In Winterlingen laufen seit mehreren Jahren erste Planungen mit Vattenfall. Zugleich zeigt das eingestellte Projekt in Grosselfingen, dass Windkraft nicht pauschal und ohne Prüfung umgesetzt wird: Dort wurde das Vorhaben beendet, weil Messungen deutlich schwächere Windverhältnisse ergaben und ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich gewesen wäre.

Diese Beispiele zeigen: Windenergie im Zollernalbkreis ist konkret, prüfbar und gestaltbar. Entscheidend ist, dass Projekte fachlich sauber geplant, transparent erklärt und mit echter Beteiligung vor Ort umgesetzt werden. Bürger*innen, Kommunen und Gemeinden sollen nicht nur beteiligt werden, sondern auch konkret profitieren – etwa durch Beteiligungsmodelle, Bürgerfonds, kommunale Pachten, Gewerbesteuereinnahmen und lokale Stromtarife. So kann Windenergie im Zollernalbkreis zu einem regionalen Erfolgsprojekt werden: klimafreundlich, wirtschaftlich sinnvoll und gesellschaftlich tragfähig.

Die Energieminister*innenkonferenz fordert deshalb das Gegenteil von Reiches Bremspolitik: mehr Ausschreibungsmengen für Windenergie an Land, den Erhalt der Windflächenziele und einen Ausbau, der regional ausgewogen und netzverträglich organisiert wird. Gleichzeitig stellen die Länder klar: Der beschleunigte Windenergieausbau darf nicht durch neue Steuerungsmechanismen gestoppt werden.

Netzengpässe löst man nicht, indem man sauberen Strom verhindert. Man löst sie durch schnelleren Netzausbau, Digitalisierung, Batteriespeicher, flexible Netzanschlüsse und klare Investitionssicherheit. Genau diesen Weg brauchen wir: für bezahlbare Energie, für regionale Wertschöpfung, für Klimaschutz und für mehr Unabhängigkeit von fossilen Importen.

Niedersachsens grüner Energieminister Christian Meyer brachte den parteiübergreifenden Konsens der Länder auf den Punkt: „Wir wollen den Kurs halten – und das ist parteiübergreifend der große Konsens.“

Windenergie ist kein Problem der Energiewende, sondern eine ihrer wichtigsten Lösungen. Wer Windkraft ausbremst, macht Strom nicht günstiger, sondern hält Deutschland länger abhängig von teuren fossilen Energien. Katherina Reiche weiß jetzt, was die Länder wollen: Erneuerbare ausbauen, Netze schneller ertüchtigen, Speicher ermöglichen und Investitionen sichern. Wenn sie trotzdem an ihrer Energiewende-Bremse festhält, handelt sie nicht pragmatisch, sondern gegen Versorgungssicherheit, Klimaschutz und bezahlbare Energie.

Daraus folgt politisch ein klarer Auftrag: Die Energiewende muss beschleunigt, sozial abgesichert und verlässlich geplant werden – nicht durch neue Unsicherheiten ausgebremst.

Deshalb fordern wir GRÜNE und unsere
7 bündnisgrünen Energieminister*innen:

  • Netzengpässe durch Digitalisierung, Batteriespeicher und flexible Netzanschlüsse zu lösen – statt erneuerbare Energien auszubremsen
  • Sonderausschreibungen für Windenergie, um den Umsetzungsstau abzubauen
  • Ein Gebäudemodernisierungsgesetz mindestens auf GEG-Niveau beim Klimaschutz – statt des von allen kritisierten handwerklichen Murks
  • Rasche Umsetzung des EU-Gasbinnenmarktpakets, damit die Menschen nicht in neue Gasheizungen investieren, die bald ohne Anschluss ans Gasnetz dastehen
  • Endlich Klarheit bei der Kraftwerksstrategie
  • Ein Bekenntnis zum Hochlauf für grünen Wasserstoff, um fossiles Gas und Öl auch in der Industrie schneller zu ersetzen.

Quellen

Beschlüsse der 7. Energieministerkonferenz, Norderney

Bundestag: Entwurf zur Änderung des Energiewirtschaftsrechts und des EEG

Bündnis 90/Die Grünen KV Zollernalb: Position zur Windenergie im Zollernalbkreis

Bündnis 90/Die Grünen KV Zollernalb: Windenergie im Zollernalbkreis – Chancen, Fakten und aktuelle Projekte

ZEIT: Energieministerkonferenz auf Norderney endet

Grüne Zollernalb werden Teil d…