Kreisverband

Besuch im Sozialkaufhaus Domiziel mit Maurice: Engagement für Menschen und Nachhaltigkeit

„Schließen Sie Ihre Augen und stellen Sie sich vor, Sie stehen in einer leeren Wohnung.“ Mit diesen eindrücklichen Worten begann Nathalie Hahn ihre Führung durch das 800 Quadratmeter große Sozialkaufhaus Domiziel in Balingen-Frommern. Gemeinsam mit unserem Landtagskandidaten Maurice Rössler, Kreisrätin Ute Hettel und zahlreichen Mitgliedern des Kreisverbands Zollernalb erhielten wir einen umfassenden Einblick in die wertvolle Arbeit dieser besonderen Einrichtung.

Der DOMIZIEL Sozialkaufhaus Zollernalb e.V. hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2018 beeindruckend entwickelt. Inzwischen engagieren sich rund 50 Ehrenamtliche und fünf festangestellte Mitarbeitende, um jährlich etwa 800 bedürftige Menschen zu unterstützen. Das Domiziel bietet Personen mit geringem Einkommen die Möglichkeit, gut erhaltene Möbel, Haushaltswaren und Alltagsgegenstände zu sehr niedrigen Preisen zu erwerben. Damit wird nicht nur finanzielle Entlastung geschaffen, sondern zugleich ein wichtiger Beitrag zu Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung geleistet: Gebrauchtes erhält ein zweites Leben, statt auf dem Müll zu landen.

Seit dem Jahr 2026 trägt der Verein zudem eine weitere wichtige Verantwortung: Das Domiziel leitet nun auch die Balinger Tafel und koordiniert damit zusätzlich die Versorgung von Menschen mit Lebensmitteln. Dadurch wird das soziale Engagement im Landkreis noch stärker gebündelt und ausgebaut.

Besonders hervorzuheben ist das große ehrenamtliche Engagement, das das Sozialkaufhaus trägt. Die Helferinnen und Helfer sammeln Spenden, bereiten Möbel und Geräte für den Verkauf auf und stehen Menschen in schwierigen Lebenslagen mit Rat und Tat zur Seite. Kooperationen mit Initiativen wie den „Starken Pfoten“ und der Ukraine-Hilfe zeigen zudem, wie breit das Domiziel sozial vernetzt ist. So ist das Sozialkaufhaus längst mehr als ein Verkaufsort – es ist ein Ort der Begegnung, der Solidarität und des gelebten Miteinanders im Zollernalbkreis.

Dauerhafte Finanzierung als Herausforderung
Trotz dieser Erfolge steht das Domiziel vor einer weiteren, strukturellen Herausforderung: der Sicherstellung einer dauerhaften und verlässlichen Finanzierung. Einnahmen aus dem Verkauf und private Spenden decken einen Teil der laufenden Kosten, aber Planbarkeit und Kontinuität bleiben angesichts steigender Betriebsausgaben unsicher. Um langfristig stabile Arbeitsplätze, regelmäßige Öffnungszeiten und kontinuierliche Angebote für Bedürftige zu gewährleisten, sind zusätzliche, planbare Finanzierungswege notwendig.

In anderen Teilen Baden-Württembergs werden solche Modelle bereits diskutiert und teilweise umgesetzt:

  • Kommunale Abfall- und Kreislaufwirtschaftsträger erkennen zunehmend an, dass Second-Hand-Einrichtungen und Gebrauchtwarenhäuser einen messbaren Beitrag zur Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft leisten. Einrichtungen wie wiederverwendungsorientierte Kaufhäuser oder Materialbörsen werden in kommunalen Abfallvermeidungsstrategien genannt und als Instrumente zur Erfüllung gesetzlicher Vorgaben zur Abfallvermeidung unterstützt. 
  • Der Bundesverband Re-Use Deutschland fordert, dass solche Second-Hand-Einrichtungen durch Teil-Finanzierungen aus den kommunalen Abfallgebührenhaushalten unterstützt werden, da Gemeinden nach dem Landes-Kreislaufwirtschaftsgesetz verpflichtet sind, Abfallvermeidung aktiv zu fördern. 
  • Beispiele aus der Praxis zeigen, wie kommunale Abfallentsorger ihr Engagement in diesen Bereich ausdehnen: Die AVR Kommunal AöR hat im Rhein-Neckar-Kreis das Gebrauchtwaren-Kaufhaus „zweite sahne“ aufgebaut, um gut erhaltene Möbel und Haushaltsgegenstände aus dem Sperrmüll zu retten und weiterzuvermitteln – ein Modell, das Ressourcen schont und die Abfallbilanz verbessert. 

Solche Initiativen zeigen, wie sozialer Mehrwert und kommunale Verantwortung zusammengehen können – ein Ansatz, von dem auch das Domiziel profitieren könnte, wenn langfristige Finanzierungsformen jenseits kurzfristiger Projektmittel gefunden werden.

Aktuell steht das Domiziel jedoch weiterhin vor praktischen Herausforderungen: Besonders mit Blick auf das bevorstehende Frühjahr werden dringend Spenden benötigt – vor allem Kinderfahrräder, Outdoor-Spielzeug, Kleinmöbel und Sofas fehlen. Auch gut erhaltene Betten und Haushaltswaren werden laufend gesucht. Wer etwas spenden möchte, kann direkt Kontakt aufnehmen unter: 0162 6924 860.

Der Kreisverband Zollernalb von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN unterstützt diese wichtige Arbeit als kleiner Spender und aus voller Überzeugung. Für uns ist das Domiziel ein starkes Beispiel dafür, wie soziale Teilhabe, nachhaltiger Konsum und bürgerschaftliches Engagement Hand in Hand gehen können. Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten sind Projekte wie dieses von unschätzbarem Wert für viele Menschen im Landkreis.

Unser Besuch hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel Herzblut, Kreativität und Mut in diesem Projekt stecken. Als Grüne setzen wir uns dafür ein, dass das Domiziel langfristig abgesichert wird und stabile finanzielle Perspektiven erhält – auch durch innovative kommunale Konzepte. Denn Einrichtungen wie das Sozialkaufhaus sind ein großer Gewinn für den gesamten Zollernalbkreis.

Wir danken allen, die das Domiziel mit Zeit, Sachspenden oder persönlichem Einsatz unterstützen, und freuen uns, auch weiterhin einen Beitrag zum Fortbestand dieser wertvollen Einrichtung leisten zu können.