
Der Ausbau der Windenergie ist ein zentraler Baustein der Energiewende. Auch im Zollernalbkreis wird intensiv darüber diskutiert, wie die Region ihren Beitrag zu einer klimafreundlichen und sicheren Energieversorgung leisten kann. In einer Informationsveranstaltung des Kreisverbands Zollernalb von Bündnis 90/Die Grünen wurden aktuelle Entwicklungen, technische Hintergründe und laufende Projekte rund um die Windenergie in der Region vorgestellt.
Windenergievorranggebiete im Zollernalbkreis
Für die Planung von Windenergieanlagen wurden in der Region mehrere mögliche Vorranggebiete identifiziert. Insgesamt sind derzeit neun Vorranggebiete vorgesehen. Die Auswahl dieser Flächen basiert auf einem umfangreichen Kriterienkatalog mit über 50 Prüfkriterien. Dabei werden unter anderem berücksichtigt:
- Natur- und Landschaftsschutz
- Abstände zu Wohngebieten (u. a. nach Vorgaben der TA Lärm)
- Infrastruktur wie Straßen oder Freileitungen
- militärische und planerische Belange
- Windleistungsdichte und Windhöffigkeit
Ziel dieses aufwendigen Auswahlprozesses ist es, geeignete Standorte zu identifizieren, an denen Windenergie naturverträglich und effizient genutzt werden kann.
Moderne Windenergieanlagen: leistungsfähig und klimafreundlich
Moderne Windenergieanlagen erreichen heute deutlich höhere Leistungen als frühere Generationen. Ein Beispiel ist die Anlage Vestas V172-7.2 MW, eine der leistungsstärksten Onshore-Anlagen ihrer Klasse.
Wichtige technische Eckdaten:
- Nabenhöhe bis zu etwa 172 Meter (Gesamthöhe rund 250 Meter)
- Betriebsdauer von mindestens 20 Jahren
- sehr niedrige CO₂-Bilanz von etwa 5–8 g CO₂ pro kWh
- energetische Amortisation nach etwa 6–7 Monaten
- Recyclingfähigkeit von rund 86–89 %
Zum Vergleich: Ein Steinkohlekraftwerk verursacht über 1000 g CO₂ pro kWh. Windenergie gehört damit zu den klimafreundlichsten Formen der Stromerzeugung.
Aktuelle Windenergieprojekte in der Region
Im Zollernalbkreis befinden sich mehrere Projekte in unterschiedlichen Planungsstadien:
Starzach (TÜ-ZAK-01)
Die Stadtwerke Tübingen planen einen Windpark mit sechs Anlagen. Der Genehmigungsantrag wurde 2025 eingereicht. Der Bau könnte 2027/2028 beginnen, die Inbetriebnahme ist für Sommer 2028 vorgesehen.
Balingen-Ostdorf (ZAK-02)
Hier wurde das Flächenpooling abgeschlossen und ein Projektpartner ausgewählt. Die Planung befindet sich aktuell in einer offenen Phase.
Burladingen (ZAK-06/07/08)
Gemeinsam mit der EnBW sind insgesamt zehn Anlagen geplant, die Strom für rund 40.000 Haushalte erzeugen könnten. Der Baubeginn wird derzeit ab 2026 erwartet, die Inbetriebnahme ab 2027.
Winterlingen (ZAK-11)
Hier laufen bereits seit mehreren Jahren erste Planungen zusammen mit dem Projektpartner Vattenfall.
Ein Projekt in Grosselfingen (ZAK-01) wurde dagegen eingestellt, nachdem Messungen gezeigt hatten, dass die Windverhältnisse deutlich unter den Prognosen liegen und ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich wäre.
Diskussionen und Bürgerinitiativen
Der Ausbau der Windenergie wird im Zollernalbkreis intensiv diskutiert. Neben kritischen Bürgerinitiativen gibt es auch Gruppen, die sich aktiv für Windkraft einsetzen. Ziel muss es sein, eine sachliche und faktenbasierte Debatte zu führen und Bürgerinnen und Bürger frühzeitig einzubeziehen. Z. B. https://www.prowindkraft-neckar-alb.de
Transparenz, Bürgerbeteiligung und kommunale Teilhabe sind wichtige Voraussetzungen, damit die Energiewende vor Ort gelingt.
Energiewende gemeinsam gestalten
Für den Kreisverband Zollernalb von Bündnis 90/Die Grünen ist klar: Windenergie ist ein zentraler Bestandteil eines klimafreundlichen Energiesystems. Gleichzeitig müssen ökologische Kriterien, regionale Interessen und eine faire Beteiligung der Bevölkerung berücksichtigt werden.
Nur wenn Klimaschutz, wirtschaftliche Chancen und gesellschaftliche Akzeptanz zusammen gedacht werden, kann die Energiewende im Zollernalbkreis zu einem gemeinsamen Erfolgsprojekt werden.