OV Albstadt

Haushalt Albstadt 2026: Klare Prioritäten für schwierige Zeiten

Mit der Haushaltsrede 2026 setzt sich unsere Fraktion mit der finanziellen Lage Albstadts, den notwendigen Prioritäten der kommenden Jahre und der Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen auseinander. Der vorliegende Haushalt macht deutlich, dass die Stadt vor großen Herausforderungen steht – finanziell, infrastrukturell und gesellschaftlich.

Fraktionsvorsitzender Markus Ringle zeigt in seiner Rede auf, warum jetzt konsequentes Handeln, ehrliche Prioritätensetzung und nachhaltige Entscheidungen gefragt sind. Es geht um den Erhalt der städtischen Substanz, um Klimaanpassung, um soziale Stabilität und um die Frage, wie Albstadt auch unter schwierigen Rahmenbedingungen lebenswert bleibt.

Die Rede steht für einen Kurs der Verantwortung: realistisch in der Analyse, klar in den Entscheidungen und mit dem Ziel, die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt zu sichern.

Haushaltsrede 2026

Fraktionsvorsitzender Markus Ringle

Bündnis 90/DIE GRÜNEN – Gemeinderat Albstadt

Werte Herren Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,

ein Haushalt ist weit mehr als eine Liste von Zahlen. Er erzählt, wie es einer Stadt geht – und was sie bereit ist, für ihre Zukunft zu tun. Der Haushalt 2026 zeigt uns sehr deutlich: Wir stehen vor Weggabelungen. Der finanzielle Druck ist groß und die Aufgaben, die vor uns liegen, sind noch größer – und sie dulden keinen Aufschub mehr.

Trotz dieser Lage erkennen wir: Albstadt beginnt, Verantwortung zu übernehmen. Wir fangen an, ehrlich zu benennen, was wir können und was wir nicht können – und wir fangen an, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Das ist keine einfache, aber eine mutige Entwicklung. Und Mut brauchen wir in diesen Zeiten mehr denn je.

Vor drei Jahren hat uns der Blick auf den Investitionsstau von 1,3 Milliarden Euro erschüttert. Diese Zahl war ein Weckruf. Und sie bleibt es. Sie wächst weiter, weil Nichthandeln teurer wird – für unsere Gebäude, für unsere Straßen, für die Lebensqualität in unserer Stadt. 2024 hat uns die Realität eingeholt. 2025 hat uns ein Instrument gegeben, um Prioritäten zu setzen und nach diesen zu handeln…

2026 wird das Jahr sein, in dem wir weiterhin konsequent handeln.

Nicht später, nicht irgendwann – jetzt – 2026.Wir können nicht darauf hoffen, dass plötzlich Geld vom Himmel fällt. Wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben – und wir müssen den Mut besitzen, uns auf das zu konzentrieren, was Albstadt wirklich braucht.

Verantwortung übernehmen heißt, klare Entscheidungen zu treffen. Die Verwaltung hat 2025 zusammen mit dem Gemeinderat wichtige Schritte gemacht. Und diese Schritte verdienen Anerkennung in alle Richtungen: Priorisierung, Streichung nicht finanzierbarer Projekte, Fokussierung auf Werterhalt und die Überprüfung von Überkapazitäten.

Das ist nicht der bequeme Weg. Aber es ist der richtige. Und wir Grünen stehen hinter diesem Kurs, weil wir wissen, dass unsere Stadt nur dann Zukunft hat, wenn wir jetzt ehrlich und konsequent handeln. Dieser Haushalt hält uns gleichzeitig schonungslos den Spiegel vor. Unsere Schulen, unsere Kitas, unsere Straßen – sie alle erzählen die gleiche Geschichte: 

Wir haben zu lange gewartet. 

Und jetzt werden wir von der Realität eingeholt. Wir können nicht alles reparieren. Aber wir können das Notwendigste sichern. Und genau das müssen wir tun. Stabilisieren statt expandieren, Substanz sichern wo möglich und sinnvoll – statt neue Belastungen schaffen – das bleibt unser Leitmotiv.

Auch die Klimakrise zeigt uns zunehmend ihre Härte. Sie trifft inzwischen jeden von uns – spürbar, sichtbar, zum Teil erschreckend schnell. Starkregenereignisse, Hitzeperioden, Schäden an Infrastruktur und Grünflächen. All das ist nicht abstrakt. Das ist unsere Gegenwart. Eine Billion Euro Klimaanpassungskosten allein in Deutschland bis 2050 sindkeine Drohung mehr, sie sind eine Realität, die uns alle betrifft. Für Albstadt bedeutet das erhebliche Mehrkosten – jedes Jahr.

Ein eigenes Klimaanpassungsbudget im Haushalt zu haben, ist kein politisches Statement. Es ist Notwendigkeit. Und diese Notwendigkeit wird wachsen und gemeinsam werden wir das Klimanpassungsbudget im Haushalt 2027 verankern müssen.

Trotz all dieser Belastungen dürfen wir nicht vergessen, was unsere Stadt stark macht: Menschen. Gemeinschaft. Zusammenhalt. Unsere sozialen Einrichtungen, unsere Schulen, der Sport, die Kultur, das Ehrenamt – das alles sind Fundamente, die wir nicht vernachlässigen dürfen. Gerade in Zeiten der Unsicherheit brauchen Menschen Orte, die Halt geben. Wer an diesem Fundament spart, riskiert den Zusammenhalt unserer Stadt.

Ein Thema hat uns 2025 besonders beschäftigt: die Lage vieler Jugendlicher und junger Erwachsener. Und was wir aus der Sozialraumanalyse gelernt haben, ist eindeutig – und bewegend.Probleme wie Sucht, Perspektivlosigkeit, Isolation oder Konflikte verschwinden nicht, wenn wir sie wegdrücken, verbieten oder einzäunen. Sie verlagern sich. Doch die Lebensrealität dieser jungen Menschen bleibt. Und damit auch ihre Bedürfnisse, ihre Herausforderungen, ihre Geschichten.

Streetwork und mobile Jugendarbeit setzen genau dort an.

Nicht im Büro. Nicht am Schreibtisch. Sondern auf der Straße, auf Plätzen, an Treffpunkten – dort, wo junge Menschen wirklich sind. Streetworker hören zu. Sie schaffen Vertrauen. Sie begleiten. Sie helfen, Ursachen zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu finden. Sie sind da, bevorProbleme größer werden. Sie stärken nicht nur Jugendliche – sie stärken das Miteinander, die Sicherheit, das gute Leben in unserer Stadt.

Und gerade weil dieses Thema so wichtig ist, stellen wir Grünen heute bewusst keinen Antrag für den Haushalt 2026. Ein Schnellschuss im Kämmerlein wäre das falsche Signal. Streetwork braucht ein stabiles Fundament, ein durchdachtes Konzept, eine gemeinsame Basis. 2026 soll das Jahr sein, in dem wir fraktionsübergreifend, gemeinsam mit Verwaltung, Fachstellen und Trägern, ein Modell entwickeln, das Albstadt langfristig trägt. Wir wollen Qualität statt Eile, Kooperation statt Symbolpolitik.

Zum Schluss möchte ich meinen Dank aussprechen. An die Kämmerei, an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Verwaltung, die in Zeiten knapper Mittel und großer Herausforderungen Herausragendes leisten. Und ich möchte eines betonen: Wir Grünen tragen diesen Haushalt mit – nicht, weil er perfekt wäre, sondern weil er ehrlich ist. Weil er notwendig ist. Und weil er den Mut zeigt, Verantwortung zu übernehmen.

Substanz statt Symbolpolitik.

Nachhaltigkeit vor Schnellschuss.

Und Mut, das Notwendige zu tun.

Das ist der Weg, den wir weitergehen müssen. Für ein Albstadt, das auchmorgen noch lebenswert ist.

Vielen Dank.

Markus Ringle

Bündnis 90/DIE GRÜNEN – Gemeinderat Albstadt

Es gilt das gesprochene Wort