Mehr Flexibilität statt weniger Betreuung

Sabrina Hipp kritisiert die geplante Reduzierung der Ganztagesbetreuung in Albstädter Kitas

Die Entscheidung des Albstädter Gemeinderats, die Ganztagesbetreuung künftig auf nur noch drei städtische Kitas zu konzentrieren, wirft Fragen nach sozialer Gerechtigkeit, Familienfreundlichkeit und kommunaler Prioritätensetzung auf. Während bei der Kinderbetreuung rund 40.000 Euro jährlich eingespart werden sollen, wurden in derselben Sitzung 623.000 Euro für das Citymanagement beschlossen.

Sabrina Hipp macht in ihrem Leserbrief deutlich: Wer Betreuungszeiten kürzt, erschwert Familien den Alltag, verschärft bestehende Ungleichheiten und belastet insbesondere Frauen, die weiterhin einen großen Teil der Sorgearbeit tragen. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel braucht es verlässliche, flexible und bezahlbare Betreuungsangebote – nicht deren Abbau.

Sabrina Hipp ist Mitglied im Kreisvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Zollernalb und kommt aus Albstadt. Politisch setzt sie sich besonders für Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Chancengleichheit und Bildung ein.

Der Leserbrief wurde am 22. April 2026 im Schwarzwälder Boten unter dem Titel „Mehr Flexibilität für Ganztagesbetreuung“ veröffentlicht.


Leserbrief von Sabrina Hipp

Mit großem Erstaunen verfolge ich die jüngsten Entscheidungen des Albstädter Gemeinderats. So soll die Ganztagesbetreuung auf lediglich drei städtische Kitas reduziert werden. Das Einsparpotenzial beträgt rund 40.000 Euro jährlich. In der gleichen Sitzung beschloss dieselbe Mehrheit jedoch, 623.000 Euro für das Citymanagement bereitzustellen. Dieser Kontrast wirft Fragen zur Prioritätensetzung auf – insbesondere für Familien, Frauen und Kinder.

Anstatt Ganztagesplätze zu streichen, wäre es viel sinnvoller, endlich die Möglichkeit zu schaffen, diese flexibel für einzelne Wochentage zu buchen und sie somit bezahlbar zu machen. Andere Gemeinden praktizieren dies schon lange, was für Familien eine große Erleichterung im Alltag bedeutet.

Durch den Wegfall der Ganztagesplätze wird es in Zukunft in einzelnen Stadtteilen kein Ganztagesangebot mehr geben. Eltern, die auf eine Betreuung nach 13:30 oder 14 Uhr angewiesen sind, werden künftig Umwege in Kauf nehmen müssen. Zum Beispiel dürfen nun Onstmettinger Eltern über die Langenwand fahren, um dort ihr Kind in die Betreuung zu geben. Für viele Eltern bedeutet das: Arbeiten ist nur noch am Vormittag möglich. Offenbar geht man in Albstadt davon aus, dass es keinen Fachkräftemangel gibt und dass geringe Teilzeitarbeit von Arbeitgeberseite gerne gesehen wird.

Diese Reduzierung der Betreuungszeiten wird einmal mehr den Frauen auf die Füße fallen, wie die Care-Arbeit insgesamt. Ungleichheit, Altersarmut und Mental Load sind nur einige Stichworte, die damit verbunden sind. Gleichzeitig wird Bildungsgerechtigkeit verhindert und Armut gefördert. Frühe Investitionen in Bildung prägen Lebenswege und machen eine Gesellschaft widerstandsfähiger und stabiler.

Ich hoffe sehr, dass diese Entscheidung noch einmal überdacht wird – im Sinne der Familien und der Kinder.

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